Archiv für die Kategorie „Verkehr“

Nachfolgend lesen Sie einen Gast Kommentar der INFORM Redaktion des BBSB (Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund e.V) zum Spiegel Online Artikel ”Die Ampel als Auslaufmodell – Kreisverkehr auf dem Vormarsch” . Wortwahl und Inhalt müssen sich nicht mit meiner Meinung decken.

Da hat uns ja neulich der Verkehrsforscher Michael Schreckenberg aus Duisburg via Spiegel-Online eine wirklich gute Nachricht verkündet. Wissenschaftsgläubig wie wir nun einmal sind, gehen wir Fußgänger und natürlich auch wir Langstocker sicheren Zeiten entgegen, wenn, ja wenn erst einmal das Übel an der Wurzel gepackt und sich der Ampelwald an etwa 100.000 Kreuzungen gelichtet haben wird. Allein in Düsseldorf könnte man jetzt schon zur Sicherheit der Bürger jede zweite Ampel ersetzen. Städte wie Köln oder auch München treiben die Abrüstung bereits aktiv voran. Doch so aktiv sind die Münchner wiederum nicht. 2010 wurden dort nach Spiegel-online gerade einmal 10 Kreuzungen befreit. Die Automobilverbände werden das lästige Warten an unsinnig geschalteten Ampeln los sein, wenn erst einmal 30 bis 50 Prozent dieser Verkehrshindernisse gefallen sind. Damit verschwindet auch das Gefährdungspotential, das darin besteht, nicht noch schnell mit 70 über die Kreuzung zu flitzen, ehe die rote Falle zuschnappt. Aber auch die Radlerlobby freut sich darauf, dass mit den Ampeln auch die Scheinsicherheit verschwinden wird, der vor allem Kinder zum Opfer fallen, weil sie zu ungeduldig sind und halt einfach bei rot queren.

Die Kommunen können durch den Kahlschlag bei Ampeln eine Menge Geld sparen, rechnet Schreckenberg vor. Für einen Kreisverkehr seien zwar 200.000 Euro zu investieren, was aber zu einer jährlichen Ersparnis von 5.000 Euro für die Wartung der weggefallenen Ampel führe. Legt man diese eher gegriffenen als konkret ermittelten Zahlen zugrunde, dauert es 40 Jahre, bis die überschlägig berechnete Ersparnis voll wirksam wird. Außer Betracht bleibt, dass eine Ampelanlage eine Betriebszeit von 20, allenfalls 25 Jahren hat.
Schreckenberg macht glauben, dass Fußgänger, bedingt durch die auf 30 km/h reduzierte Ausfahrgeschwindigkeit am sichersten an einem Kreisverkehr queren können, gefolgt vom sogenannten Zebrastreifen und Kreuzungen, an denen rechts vor links gilt. Die Unfallstatistiken sagen etwas anderes: Gerade auf Zebrastreifen liegt die Unfallgefahr sehr viel höher als bei sogenannten ungesicherten Querungsstellen. Der Grund: Die Fußgänger fühlten sich bevorrechtigt und „provozierten“ Unfälle, die von den Kraftfahrern nicht mehr verhindert werden können.
Natürlich bricht Schreckenberg auch eine Lanze für die Mischverkehrsflächen nach dem Prinzip shared space.  Blinde und sehbehinderte Fußgänger können dem ersehnten Ampelsterben in der Tat nichts abgewinnen. An stark frequentierten Kreisverkehren, an Querungshilfen mit Mittelinsel ohne Bordsteinkante und Bodenindikatoren und
in Mischverkehrszonen haben wir absolut schlechte Karten. Selbst Schreckenberg räumt aber ein, das Kreisel wegen des damit verbundenen hohen Platzbedarfs in den Innenstädten gar nicht machbar sind. Auch bei mehrspurigen Straßen lassen sich Kreisverkehre nicht so ohne weiteres realisieren. Es wird also wieder einmal nicht so heiß gegessen, wie es
gekocht wird. Wir wären aber schlecht beraten, wollten wir den Trend ignorieren. Der DBSV und die Kollegen in NRW sind dabei, dem drohenden Kahlschlag an Rhein und Ruhr Einhalt zu gebieten. Aber wer wird schon auf uns hören? Da müsste schon ein renomierter Verkehrswissenschaftler her oder einflussreiche Politiker, die es mit der Gewährleistung größtmöglicher Mobilität nach UN-Behindertenrechtskonvention ernst meinen. Schön wäre es schon, wenn auch die Fußgängerlobby aufwachen würde.
Zum Schluss noch das: In einer oberbayerischen Kleinstadt gab es an der Kreuzung einer Staatsstraße mit einer Stadtstraße eine Ampel. Die Ampel wurde durch einen Kreisverkehr ersetzt. Die Querungsstellen an den Ästen des Kreisels erhielten jedoch keine Bodenindikatoren für die Orientierung und Sicherheit. Weil die Bordsteinkanten abgesenkt wurden, gehen die zuständigen Behörden davon aus, einen barrierefreien Knoten gebaut zu haben. Für Blinde, so stellten die Experten vor Ort fest, sei die Querung wegen des hohen Verkehrsaufkommens ohnehin nicht möglich.

Fazit: Aus einer Lichtsignalanlage, die uns von einem Restrisiko abgesehen, eine sichere Querung erlaubte, wurde eine No go Area für Blinde. Konsequenter Weise müsste uns dort das Betreten der Straße untersagt werden. Fragt sich nur wie: Eine Warnansage würde die Anwohner stören. Besonders tiefe taktile Sperrfelder aus Rippenprofilen können es nicht sein, denn dann hätte man ja gleich Auffindestreifen und Richtungsfelder einbauen können. Spass bei Seite: Das Ampelsterben bedroht unsere Mobilität. Das wiederum dürfen wir
nicht zulassen. Seien Sie also wachsam und informieren Sie Ihren Blinden- und Sehbehindertenverein, wenn Kreisel im Gespräch sind. Wenn es auch nicht gelingen wird, die Ampeln zu erhalten, muss es wenigstens Auffindestreifen und Richtungsfelder, Bordsteinkanten und sichere Inseln geben.

Autor: BBSB Inform. Gustav Doubrava. Veröffentlichung auf dieser Homepage genehmigt am 24. März 2011.

Alexander Spörr

Alexander Spörr

Die Vereinten Nationen haben sich auf Soundvorgaben bei Elektrofahrzeugen geeinigt. Eine Regelung wurde notwendig, weil die Fahrzeuge im Stadttempo nahezu geräuschlos sind und die typischen Geräusche eines Verbrennungsmotors, welches Fußgänger warnen könnte, fehlt. Gerade Blinde/Sehbehinderte, Kinder und Senioren waren hier einer erhöhten Unfallgefahr ausgesetzt.

Aus dem Geräusch muss verständlich werden, ob das Elekro-Vehikel gerade beschleunigt, bremst oder mit gleichmäßigem Tempo fährt.

Da ich schon seit langer Zeit immer wieder auf die Geräuschproblematik der kaum wahrnehmbaren Fahrzeuge aufmerksam gemacht habe, freut mich der Beschluss der UNO um so mehr.

Alexander Spörr

Alexander Spörr

Die FDP Passau-Land forderte im Verlauf der E-Wald Region Diskussion Elektromobile mit klar wahrnehmbaren Sound auszustatten, weil sie eine Gefahr für Blinde, Sehbehinderte, Kinder und Senioren darstellen.

Alexander Spörr, Vorsitzender der Liberalen sieht sich in seiner Position durch die Initiative des US Kongresses bestätigt. Die Kongressabgeordneten haben am vergangenen Donnerstag mit großer Mehrheit ein Gesetz beschlossen, wonach auch geräuscharme Elektro- und Hybridautos im Straßenverkehr deutlich zu hören sein müssen. Damit sollen Unfälle etwa von blinden Fußgängern verhindert werden, die Fahrzeuge nicht sehen, sondern nur hören können. Auch für Jogger, Radfahrer und kleine Kinder sollen die Straßen damit sicherer werden.

Die US-Verkehrsbehörden haben jetzt 18 Monate Zeit, eine minimale Lautstärke festzulegen, die für extrem leise Autos gelten soll. Dies kann z.B. durch Warnsignale erreicht werden. Das Gesetz sieht vor, dass die Geräusche automatisch ertönen, wenn ein Wagen mit niedriger Geschwindigkeit fährt. Die Fahrer sollen sie nicht eigens ein- und ausschalten dürfen.

Mühlhamer Schleife bei Osterhofen. Foto Sebastian / Pixelio.de

Mühlhamer Schleife bei Osterhofen. Foto Sebastian / Pixelio.de

Das im November angekündigte variantenunabhänige Gutachten zum Donausbau zwischen Straubing und Vilshofen kommt frühestens 2012.

Dies geht aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der FDP hervor.

Die Bundesregierung veranschlagt 3 Jahre für die Erstellung des neuen Gutachtens. Bisher wurden die Monitoring Gruppe für die 33 Mio. teure Studie nicht besetzt. Ein Ausbau der Donau ist daher auf Jahre nicht in Sicht.